Dorfführung mit Vera und Almut-Anna Balla But und ihre Zeitgenossen

Sie hatten zwar keine Kiepe auf oder blaue Kittel an, aber viel von dem Wissen dabei, das Willi Berheide ihnen übermittelt hatte. Gut vorbereitet machten sich Almut Rauße und Vera Berheide an eine Dorfführung, an der neben Neu- auch Poahlbürger teilnahmen. Eine interessante, wie unterhaltsame Aktion, bei der man viel über „Abschlau“ erfahren konnte.
„Wir machen das heute zum ersten Mal“, erklärten die Albersloherinnen und baten, mögliche Patzer zu verzeihen. Doch die blieben aus, und schon hier kann verraten werden, dass die Teilnehmenden sich gut unterhalten fühlten und nach rund 90 Minuten nicht mit Applaus geizten.
Doch jetzt zum Beginn der Veranstaltung, die natürlich bei der Kiepenkerl-Statue startete. „Wir stehen hier an einer Info-Tafel des Heimatvereins, der den „Grünen Kranz“ und auf der Rückseite die Kirche präsentiert“, informierten die beiden Frauen und wiesen auch auf eine weitere Schautafel hin: „Die ist von unserem Sportverein DJK Grün-Weiß Albersloh.“
Und da musste sich Volker Uhlenbrock vom Vorstand des Heimatvereins kurz einmischen, um die teilnehmenden „Neubürger“ zu informieren: „Wir haben hier eine Art Challenge, in der es darum geht, wer die meisten Mitglieder hat – Sport-, Schützen- oder Heimatverein.“ Im Moment läge der Sportverein vorne. Uhlenbrock aber meinte augenzwinkernd, dass sich das nach der Dorfführung ja möglicherweise ändern könne.
Launig und informativ ging es über die Werse, vorbei an der Waschfrau, zur ehemaligen Gaststätte Kramer. „Wir hatten hier einen singenden Wirt, der den Männern sonntags vor der Messe die Haare schnitt“, erklärten Almut und Vera, die auch wussten: „Vorm Beten gab’s einen Schnaps, der durchgebissen so lange warten musste, bis man sich nach der Messe zum Frühschoppen traf.“ Auch habe es an der Bergstraße ein Kino mit Lehmboden gegeben. „Und hier stand früher die Holtmannschule“, wussten die Frauen von einem abgerissenen Gebäude, das nach seinem Lehrer benannt worden war. „Daneben war Holtmanns Garten – wer keine Schulaufgaben gemacht hatte, musste dort Unkraut hacken“, informierten die Albersloherinnen über pädagogische Maßnahmen.
Was in alten Zeiten auf der damaligen Siegen-Stroat, heute Sendenhorster Straße, los war, konnte man dank bildhafter Schilderung der beiden Erzählerinnen erahnen. „Schuster, Kolonialwaren, Schneider, Haushaltswaren…“, zählten sie auf und wussten: „In der Halle von Wallmeyer (damals Metallverarbeitung) hat Mary Roos gesungen.“ Bestätigen konnte das Bettina Küch-Wallmeyer: „Stimmt, die hat Dieter (Wallmeyer) den Kopf gestreichelt.“ Und Ewald Borgmann wusste, dass Willi Wallmeyer den Besuch des Schlagerstars damals anlässlich eines Jubiläums des Männergesangvereins organisiert hatte.
Warum der Teckelschlaut Teckelschlaut heißt, hatten Vera Berheide und Almut Rauße nicht recherchieren können. „Vielleicht weiß das ja jemand – der oder die kann sich gerne bei uns melden“, meinten sie, wussten aber, dass die Straße damals „Muttkestraße“ geheißen habe. „Das muss hier damals sehr armselig gewesen sein, die Fäkalien wurden einfach in den Graben gekippt – hier hat es wohl mächtig gestunken.“ Und dort soll eine legendäre Dame namens Anna Balla But gelebt haben. „Die soll es faustdick hinter den Ohren gehabt haben – sie hat sich immer geprügelt“, erzählte Vera Berheide, die sogar ein plattdeutsches Gedicht über Anna Balla But zum Besten gab.
Dass das Ehrenmal früher woanders stand, war auch nicht jedem bekannt. Spannend auch die Information, dass „sich damals neben der Roten Schule das Gefängnis befand.“ Während auch die Gaststätte Geschermann, der alte Bahnhof, der Friedhof mit Beinamen „Müelenkamps Kämpken“ und natürlich der Vorplatz der historischen Kirche besucht wurden, erfuhr man auch von dem, was früher wohl nur für die Ohren der Pastoren gedacht war. Alle Details können hier natürlich nicht verraten werden. Aber Almut Rauße und Vera Berheide werden sicherlich noch öfter aus dem Nähkästchen plaudern.
„Wir fanden das richtig toll“, waren sich Joachim und Emmy Bings als „Zugezogene“ einig. Auch dahingehend, dass man viel über den neuen Wohnort erfahren habe. So nahmen auch sie nach der Dorfführung die Einladung des Heimatvereins auf ein Kaltgetränk in der „Post“ gerne an. Dort wurden weitere Anekdoten ausgetauscht und Fotos aus dem Archiv von Markus Kuhlmann präsentiert. „Das habt ihr echt klasse gemacht“, wurde die „Dorfführung mit Almut und Vera“ noch einmal gelobt und eine Wiederholung empfohlen.
WN 20. März 2025
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